Historie

Breitungen wurde 933 erstmals als „bretinga“ urkundlich erwähnt. Auf der linken Werraseite (Frauenbreitungen) befand sich ein auf die Zeit der fränkischen Landnahme zurückreichender Königshof. Auf dem talbeherrschenden Hügel der anderen Flussseite (Herrenbreitungen) befand sich bereits im 10. Jahrhundert eine zum Königshof befindliche Burganlage. Die Dichte sakraler Baukunst der Romanik zeichnet Breitungen aus und verweist auf seine kirchenhistorische Bedeutung als Ort verschiedener Klöster (Prämonstratenser, Benediktiner).

Die durch Urkunden verbürgte Geschichte des Rußwurmschen Herrenhaus beginnt 1138, als ein Hennebergisches Burggut in Frauenbreitungen, damals noch „Königsbreitungen“, im Besitz der Herren von Breitungen erwähnt wird. 1370 taucht das erste Mal ein „von Rußwurm“ als Eigentümer auf. Verschiedene Gutsherren, die mit dem Gut belehnt wurden, sind namentlich bekannt. 1565 wurde hier der berühmte Generalfeldmarschall Christoph Herman Graf von Rußwurm geboren. Um 1600 gehörten drei Stuben, Stallung, Brauhaus, Stadel sowie der Garten mit Gras und Obst zum Gut. 1655 fiel die Besitzung an den Generalmajor der französischen Armee Hans Georg v. Rußwurm zu Hellingen und nach seinem Tode an die Erben des Hans Melchior von Buttlar zu Dietlas: Amtmann Heinrich von Miltitz, Christoph Kaspar Speßhart zu Rösleben, Wilhelm Christoph von Boyneburg zu Lengsfeld und Adam Reinhard von Buttlar zu Dietlas. Bis 1772 waren Vertreter der Familie von Miltitz Besitzer des Rittergutes, die teilweise Gusverwalter und Pächter einsetzten.

Der Kaufvertrag mit dem sachsen-meiningischen Regierungsrat Johann Karl August von Uttenhoven aus dem Jahr 1772 gibt eine Übersicht über den Umfang des Rittergutes zu dieser Zeit. Die Eigentümer verkauften „das Rußwurmsche Mannlehen und Rittergut zu Frauenbreitungen mit allen Haupt- und Nebengebäuden und allem, was in denselben wand-, band-, niet- und nagelfest ist samt allen Ein- und Zuhörungen an Aeckern, Wiesen, Gärten, Schäferei, Hut- und Triftgerechtigkeit, Erbzinsen, Erbbegräbnissen und Kirchenständen zu Frauenbreitungen“.

Die Familie von Uttenhofen verschuldete durch ungeschickte Vermögenspolitik das Gut, so dass es 1835 zum Zwangsverkauf an den Staat kam und mit dem benachbarten Kammergut vereinigt wurde. Der Pächter des Kammergutes, ein Herr Abe, kaufte die Anlage. Die zum Gut gehörenden Wiesen und Felder wurden veräußert. Von den Nachfahren Abes kaufte Oberlehrerein Luise Voigt Anfang des 20. Jahrhunderts das untere Geschoss des Rußwurmschen Herrenhauses. Ihre Nachfahren bewohnten das Haus bis Januar 2013, als es Robert Eberhardt und die Gesellschaft Kulturerbe Thüringen e.V. erwarben.

In einem Museumszimmer können Exponate zur Hausgeschichte betrachtet werden. An festen Terminen im Jahr oder für Gruppen nach Anmeldung führt Robert Eberhardt eine Stunde durch das Haus und erläutert die Bau- und Kulturgeschichte des Baudenkmals.